Das alles könnte vielleicht daran liegen, dass der Gottesdienst von zwei Amerikanern geleitet wurde. Langweilig war es auf jeden Fall nicht, da eine sehr gute Band spielte und viel getanzt und gesungen wurde.
Montag war dann endlich mein erster Arbeitstag im Center. Um 5.45 Uhr hieß es aufstehen, damit wir um 6.30 Uhr losfahren konnten. Für mich wurde extra ein neues Büro eingerichtet, dass ich mir mit dem Schulleiter teilen werde. Vom Schulleiter bekam ich eine Einführung und ich besuchte die verschiedenen Klassen. Diese reichen von pre-school, wo 2 Jährige schon unterrichtet oder eher konditioniert ;) werden(Die Lehrerin sagte die ganze Zeit „Hands up, hands down, hands up and down“ und die Kleinen machten es :D) bis in die sechste Klasse. Diese Woche finden die mid-term tests statt, das heißt, dass alle Schüler nun eine Woche Prüfungen vor sich haben. Das war dem Schulleiter aber ziemlich egal, als er mich durch die Klassen führte. Jeder Schüler musste aufstehen im Chor „Good morning Sir“ oder „Good Morning Marian“ sagen und auf die Frage „How are you?“ kam ein „Thank You Sir we are fine! and how are you?“
Es ist schon nett zu sehen, wie schnell aus einem Schüler ein Lehrer wird und wie freundlich die Schüler hier sind. Für deutsche Lehrer wäre es ein Traum nur leider verdient der durchschnittliche Lehrer nur 100€ hier.
Mittagessen bekam ich dann von der einzigen Fastfoodkette in Malawi, dem Hungry Lion. Für die unter euch, die Hungry Lion nicht kennen :D… Es soll wohl so schmecken wie KFC. Ist aber 100 mal schlechter.
Nach dem Essen erfuhr ich dann, dass mein zweiter Koffer angekommen war und da ich nun eine Woche lang die selbe Hose getragen hatte, fuhren Simon und ich sofort zum Flughafen, um, recht unkompliziert wie wir dachten, meinen Koffer im Empfang zu nehmen. Dann kam er: Der Hauch von Deutschland.
Es sollte sich nämlich nun schnell herausstellen, dass die malawianischen Behörden den deutschen Behörden sehr ähneln und in einigen Bereichen noch nervtötender sind. Meine Hosen sollten nämlich nun verzollt werden. Daraufhin sollte ich der MRA (Malawian Revenue Authority, ne Art GEZ für alles) den Wert meines Koffers nennen. Da neben meinen Hosen noch ein Anzug, Medizin und Bücher drin waren, sagte ich 300€.
Mit diesem Zahlenwert verschwand Sie dann vom Schalter ins Büro und ich schaute mir in der Zeit die Umgebung an und erhielt erste Eindrücke von Behördenarbeit auf der Südhalbkugel…
Die anderen Mitarbeiter spielten entweder Spider Solitär, aßen Mais und kauten auf Zuckerrohr, während mehrere Leute neben mir warteten drangenommen zu werden. Allgegenwärtig hing da außerdem noch ein Portrait vom Präsidenten Bingu wa Muthariku und die Aufschrift „Say no to corruption“ und „This is a corruption free office“ prangte an jedem Schalter.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann meine freundliche, aber extrem langsame Sachbearbeiterin wieder an und hatte zwei Geldbeträge auf einen Zettel geschrieben. In Malawi hat man scheinbar die Auswahl wie viel man an Zoll zahlen möchten. Leider waren beide Beträge schockierend.
Betrag Nummer 1 betrug 101.648 Kwacha und man ging davon aus, dass ich die Absicht hätte meine Hosen gewinnbringend zu verkaufen.
Betrag Nummer 2 betrug 44.371 Kwacha und ging aus lauter Güte davon aus, dass ich wohl nicht die Absicht hätte meine Hosen zu verkaufen.
Die dritte Alternative war in zwei Tagen nochmal wiederzukommen, einen Gutachter aus Blantyre mitzunehmen, einen Duty free Antrag zu stellen und zu hoffen, dass dieser Gutachter erkennen würde, dass die Hosen nur von mir getragen werden würde.
Ich hatte also nun die Wahl umgerechnet ca. entweder 500€ oder 200€ für meinen Koffer zu zahlen oder zwei Tage zu warten und auf einen kompetenten Gutachter zu hoffen. Irgendwie gefielen Simon und mir keine der Alternativen und Simon sagte dann auf Chichewa, dass wir dann den Koffer einfach hier lassen würden und von den 200€ wohl 40 neue Hosen in Blantyre kaufen könnten. Dass ich nicht die Absicht hatte für die paar Hosen so viel zu zahlen, schien die Frau so zu verdattern, dass Sie mir eine vierte Alternative vorschlug, die sie wohl wegen Bingu (das Portrait vom Präsidenten) und der „Say no to corruption“ Sticker halb flüsterte: Wie viel sei ich bereit für meinen Koffer zu zahlen, damit ich ihn sofort bekäme? Nach dem Satz war der Hauch von Deutschland auch schon wieder gestorben und ich bot Ihr an 30€ für den Koffer zu zahlen. Sie überlegte kurz, willigte ein und ich war 20 Minuten später, nachdem ich noch eine extra Fee von 1720 Kwacha an der Gepäckausgabe zahlen musste, glücklicher Besitzer meines Koffers.
Neu gewonnene Weisheit des Tages: Wenn du etwas von malawianischen Behörden möchtest, nimm einen Einheimischen mit, da das Behördenenglisch völlig unverständlich ist und der Umgang auf Chichewa freundlicher und entspannter ist, Freundlichkeit und super viel Geduld mit, da Spider Solitär das Nationalspiel der Behörden ist!
Ich bin mal gespannt wie es wird, wenn ich diese Woche meine Arbeits- und Wohnerlaubnis beantrage.
Tionana,
Marian
1 Kommentar:
*lach* Marian du erlerbst Sachen XDDDD
Find ich echt hammer. Sowieso unverschämt dasse überhaupt geld für deinen eigenen Koffer bezahlen musst...Manmanman!!!!!
unser marian ist jetzt lehrer....hach ich seh schon,du hast spaß da unten, das freut mich für dich :)
weiter so marian, i believe in you!!!
wenne wieder hier bist, fordere ich dich zu einer partie spider-solitär heraus ! xD
in liebe, ena :D
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