Gutes Video über Malawi

Diashow

Dienstag, 13. Januar 2009

Impressionen aus Blantyre

Ein Stausee in Südafrika

Skyline von Pretoria








Rundbrief

Liebe Freunde, Moni Azanga,
nun ist es endlich wieder Zeit für meine dritte Rundmail. Ich war etwas schludrig mit Mailschreiben in letzter Zeit, da soviele verschiedene Sachen zu tun waren. Aber besser spät als nie!!
Zuerst das Wichtigste: Es geht mir ganz gut in Malawi. Die Regenzeit ist nun im vollen Gange, was ich aber nicht sehr störend finde. Es erinnert mich sehr an das wochenlange schlechte Wetter, was man in Duisburg gewöhnt ist und es ist immer noch super warm und oft sonnig.
In der letzten Zeit bin ich sehr oft rumgekommen. Kurz vor Weihnachten war ich in Mzuzu (Nordmalawi), wo Simon und ich meinen Mentor besucht haben und einige Sachen geklärt haben. Es war cool einfach mal 7 Stunden im Auto zu sitzen, dem See entlangzufahren und das Straßenleben zu bestaunen. Autofahrten in Malawi sind deutlich interessanter als in Deutschland. Über Silvester dann war ich in Südafrika, wo ich Freunde besucht habe und viele nette Leute kennengelernt habe. Südafrika ist ein sehr interessantes Land voller Gegensätze. Es gibt riesengroße Shoppingmalls, Wolkenkratzer und andere Elemente der westlichen Kultur und es gibt die Wellblechsiedlungen und die Straßenhändler, die ich zu gut aus Malawi kenne. Das Land ist hin und hergerissen zwischen Tradition und Moderne und ich konnte in beide Lebensbereiche eintauchen. Durch Deutsche, die ich in Pretoria kennenlernte, habe ich eine Nacht in einem Township (das ist eine Siedlung, wo während der Apartheid nur Schwarze leben durften) übernachtet und interessante Leute kennengelernt. Ich habe nun viel besser verstanden, was Apartheid bedeutet und war erschüttert, wie traumatisiert noch viele schwarze Südafrikaner von dieser Zeit sind. Ansonsten lebte ich in einer geschlossenen Wohnsiedlung (gated community oder security village), wo viele Menschen, die das nötige Geld haben, leben. Die Kriminalität in Südafrika ist leider sehr hoch, sodass viele Leute versuchen in sicheren Bereichen zu leben.
In Südafrika konnte ich ein entspanntes Touriprogramm genießen. Das neue Jahr begann leider mit Regen, sodass ich keine Feuerwerke sehen konnte. Das fanden aber wohl viele Südafrikaner sehr gut, da Neujahr anscheinend dazu benutzt wird um Leute zu erschießen, da die Polizei durch die Feuerwerke nicht genau die Schüsse ausmachen kann. Das ist schon eine andere Welt. Ich war aber insgesamt wieder froh in Malawi zu sein, da ich dort so langsam ein Gefühl der Heimat kriege und ich sicher rumlaufen kann.
In Malawi hat nun der Arbeitsalltag wieder angefangen. Ich bin nun nicht mehr nur Französischlehrer, sondern auch Naturwissenschaftslehrer, Vorsitzender des Landwirtschaftklubs und habe beschlossen einen Deutschklub zu gründen. Um ein Haar wäre ich auch noch „Expressive Arts“ Lehrer geworden, was ich aber noch abwenden konnte . Diese zweifelhaften Beförderungen liegen wohl daran, dass die anderen Lehrer das Fach nicht kennen oder einfach keine Lust haben. Ansonsten bin ich sehr beschäftigt in der Administration und der Weiterentwicklung der lokalen Freiwilligendienste. Die Aufgaben sind sehr interessant und machen viel Spaß.
Meine Französischprüfungen im französischem Kulturzentrum habe ich übrigens mit 88.5% und 93% abgeschlossen, worüber ich sehr froh war.
Weihnachten in Malawi war auch sehr interessant, obwohl das deutsche Weihnachten deutlich schöner ist! Heiligabend wird nicht gefeiert, dafür geht’s am ersten Weihnachtstag früh in die Kirche. Leider war die Kirche komplett überflutet, weil jemand vergessen hatte den Wasserhahn zu schließen, sodass der Gottesdienst 2 Stunden später anfing. Es wurde ein Krippenspiel aufgeführt in moderner Fassung, wo König Herodes einen Lederanzug und Gucci Sonnenbrille trug und Josef eine Frau war, die sogar eine Hose trug (Frauen durften bis 1994 keine Hosen tragen, woran sich noch immer die meisten halten)! Anschließend wurden klassische Weihnachtslieder auf Chichewa gesungen, was super lustig war. Danach ging es wieder nach Hause. Geschenke gab es keine, aber das Essen war festlich. Es gab Chicken wings mit Reis.
Meiner Gastfamilie geht’s insgesamt sehr gut. Die Zahlen an Familienangehörigen schwanken natürlich wie immer, doch insgesamt sind wir nun um die 7 Leute. Zu Weihnachten haben wir einen Kühlschrank bekommen, was nun der neue Stolz der Familie ist. Simon hatte dazu extra eine Familienversammlung einberufen und uns eine Viertelstunde die ordentliche Benutzung eines Kühlschrankes erklärt 

So das war es erstmals wieder von mir! Ich hoffe Euch hat dieser kleine Einblick in meinem Leben am anderen Ende der Welt gefallen. Ich sage dann mal bis bald!

Tionana,

Marian

Freitag, 19. Dezember 2008

Mein Leben im Dezember

Insektenfang

Simon, Mary und ich
Das Kochen geht ganz leicht: Man wirft die Ameisen einfach in einen heißen Topf und brät sie.

Geflügelte Ameisen: "Ngumbi" genannt und das Ersatzhühnchen in Malawi




Hallo Freunde,

inzwischen haben wir den 19. Dezember und die Weihnachtslaune ist immernoch gleich 0 :)
Heute war mein letzter Arbeitstag vor den Weihnachtsferien und bis Anfang Januar ist das Büro nun geschlossen. Ich werde wohl am 22 Dezember für einen Tag nach Mzuzu rauffahren und dann geht es am 27.12 los nach Südafrika, worauf ich mich schon mega freue.

Meine Arbeitswoche war eigentlich recht normal. Ich weiß nun jedenfalls nach fast 4 Monaten Malawi, dass der Beruf Lehrer wohl nicht ganz oben auf der Prioritätsliste steht. Die Kinder sind zwar nett aber super anstrengend und am Dienstag war ich ganz erstaunt als ne Schülerin zu mir sagte: "If you want me to behave, you must beat me!" Meine "beatings" waren dann eine Hausaufgabe, die wie so oft nur 1 oder 2 gemacht haben und irgendwie merke ich, dass es bei diesen Schülern mit dem Französischlernen nicht unbedingt besser wird. Meine Erst und Zweitklässler sind aber einfach nur klasse und können nun schon so einige Wörter.

Auch rennen sie begeistert um den Baum wenn ich :"Courrez autour de l'arbre" rufe und können sich nun vorstellen. :) Ich hoffe mal, dass sie nach den Ferien noch immer einiges draufhaben.

Ansonsten bearbeite ich mit Simon ein Freiwilligen und Sozialprogramm mit internationalen Organisationen, was interessant und herausfordernd ist.

Das was dann mal soweit von meinem Arbeitsleben und nun kommen wir zu etwas Kulturellem: Die Küche :)

Zugegeben die Küche in Malawi ist eigentlich ganz normal. Die meisten Tiere kennt man und Nsima ist auch nicht gerade exotisch (Ersatzkartoffelbrei). Zu Beginn der Regenzeit ändert es sich aber, denn die Paarungszeit einiger Insekten beginnt. Dazu zählen nämlich diese geflügelte Prachtexemplare im Kochtopf, die wie Hühnchen schmecken und wenn man vergisst, dass es Insekten sind auch ganz lecker sind.

Wie fängt man die Ngumbi?

Das ist zugegeben recht einfach, denn sie scheinen so ziemlich die dööfsten aller Insekten zu sein: Man braucht eine Lichtquelle und seine Hände. Sobald es dunkel wird kommen sie dann in Scharen. Dann nimmt man einfach nur seine Handvoll und wirft sie entweder direkt in nen Topf oder erst in einen Wassereimer, damit sie schlechter wegfliegen können. Wenn der Topf dann voll ist, geht er auf die heiße Kochplatte und 3 Minuten später hat man gebratene Insekten. Diese müssen dann durch ein großes Sieb, damit die Flügel abgehen und fertig ist das Abendessen. Mein Lehrerkollege empfahl mir dazu noch Grashüpfer, mir reichen die Ngumbis aber erstmals :)


Weihnachten in Malawi:

Ich wurde nun mehrmals schon gefragt: Wie feiert man eigentlich Weihnachten in Malawi?
Weihnachten ist ja erst seit Kurzem (ca. 100 Jahre) in Malawi, sodass es keine richtige Tradition gibt.
Was viele Malawier aber machen ist, dass sie entweder am 24. Dezember spät abends oder am 25. Dezember früh morgens in die Kirche gehen und danach versuchen so gut wie möglich zu essen. Geschenke gibt es normalerweise keine.

Die Globalisierung von Weihnachten hat aber auch in Malawi nicht Halt gemacht. Seit 2 Monaten läuft wie gesagt schon Weihnachtsmusik in den Läden, die Behörden haben die hässlichsten Plastikweihnachtsbäume in ihren Büros aufgebaut und im Einkaufszentrum mussten die Kassiererinnen Weihnachtsmützen oder Rentierhörnchen tragen und auf den Fensterscheiben wurden Weihnahchtswünsche gesprüht.
Die Zeitungen und das Fernsehen wünschen frohe Weihnachten und drucken Fotos von glücklichen Kindern mit Geschenken in den Armen und lachenden Weihnachtsmännern. Es ist schon irgendwie komisch bei 30 Grad Celsius den Weihnachtsmann auf nem Bild zu sehen, während man neben einer Palme steht.

Die Malawier stört es aber anscheinend nicht :)

Zum Abschluss lade ich noch ein paar Fotos hoch und hoffe, dass es euch im kälterem Deutschland gut geht! Liebe Grüße und Tionana!!

Marian

PS: Mein Blog hat die 1000 Besucher Marke geknackt^^ Weiter so!!!

Sonntag, 7. Dezember 2008

Fotos und kleiner Bericht

Ein Fastfamilienfoto :)
Meine Erstklässler (meine Lieblingsklasse)
"Leckere" kleine getrocknete Fische (Usipa): Das übliche Abendessen für die Kleinen
Promise und ich
Hallo Leute,

die Zeit vergeht wie im Flug und nun ist schon der 7.12.2008 ;) Nikolaus wird in Malawi nicht gefeiert, euch aber einen schönen Nikolaustag nachträglich. Wie gehts Euch im kalten Duisburg, Deutschland? Hier in Malawi hat nun die Regenzeit angefangen und es ist nun nicht mehr heiß, sondern schwül warm, was auch nicht unbedingt besser ist :). Lehrer Marian geht es auf jeden Fall noch immer ganz gut und das Unterrichten wird immer routinierter. Ich denke aber inzwischen aber manchmal, dass die Schüler in Deutschland ein wenig netter gegenseitig sind. So ist diese Woche, während meines Unterrichtes!!, ein Schüler an die Tafel gegangen, hat sich ein Stück Kreide geholt und hat damit dann einen anderen abgeworfen. Im ersten Moment war ich völlig baff und wusste nicht wie ich reagieren sollte. Die anderen Schüler haben mir gesagt ich sollte Ihm in die Backe kneifen, ich habe aber dann die deutsche Methode genutzt und gesagt, dass ich sowas nie wieder in meinem Unterricht sehen möchte. Schon komisch wie schnell sich die Rollen ändern. Am meisten Spaß machen mir die Erstklässler. Sie sind richtig süß und machen alle Spiele und andere Sachen mit ohne sich zu beschweren :). Neben meiner Lehrtätigkeit bringe ich Ihnen auch noch das richtige Anstehen am Wasserhahn bei, was Simon sehr wichtig findet und was in Malawi (Anstehen) nicht selbstverständlich ist.

Wie schon eingangs gesagt hat sich das Wetter geändert. Nun gibt es jeden Tag einen mehr oder weniger kurzen Schauer und die ganze Gegend ergrünt. Wir haben begonnen Mais zu pflanzen,und haben einige Mangos geerntet (ich esse sie am liebsten ungereift und mit Schale :)).

Fast unvorstellbar, dass in etwas mehr als 2 Wochen schon Weihnachten ist, aber bis auf die endlosen Weihnachtslieder im Shoprite Supermarkt, wo die Kassiererinnen bis vor kurzer Zeit noch Weihnachtsmützen trugen :), merkt man absolut gar nichts von Weihnachten und Advent. Ich überlege immer noch einen Plastiktannenbaum für die Familie zu kaufen und durchforste meinen PC nach Weihnachtsliedern. Silvester gehts dann höchst wahrscheinlich nach Südafrika, wo Maja und ich uns mit einigen anderen vom Vorbereitungsseminar treffen. Darauf freue ich mich schon riesig!

Was ist sonst noch los? Nächste Woche habe ich dann meine Französischprüfungen im französischen Kulturzentrum, für die ich noch unbedingt lernen muss und zurzeit verbringe ich auch etwas Zeit mit Bewerbungsschreiben.

Der Familie gehts auch ganz gut. Simon ist heil aus Botswana wieder gekommen, Malaika kann nun laufen und kommt mich immer besuchen. Ich scheine zur Zeit beliebter als Mary zu sein. Das kann vielleicht einfach daran liegen, dass ich nicht die Person bin, die Ihr Medizin verpasst.^^

Den Kindern gehts auch gut nur merke ich, dass die beiden Mädchen deutlich distanzierter zu mir sind als die Jungs. Wenn ich am Samstag morgen zum Beispiel Colliness frage wie es ihr geht kommt die Antwort: I am fine thank you and how are you too? Das ist dasselbe, was immer im Unterricht kommt, wenn ich die Schüler frage wie es Ihnen geht. Naja, damit muss ich wohl leben ;).

Tionana, bis bald!!

Dienstag, 25. November 2008

Mein Arbeitsleben

Promise, der neue Hausbewohner
Malaika und Ich
Der SimDollar aus Simbabwe ( Ich wäre so gerne Milliardär^^)

Mein Französischunterricht

Hallo Leute,

nach etwas längerer Zeit melde ich mich mal wieder, damit Ihr wisst, dass ich noch lebe und alles in Ordnung.

Ich bin nun Vollzeitlehrer, was interessant aber auch deutlich anstrengender als meine bisherige Lehrerteilzeit ist.

Was macht man so als Lehrer in Malawi?

Also zuerst muss man unterrichten. Das geht je nachdem in welcher Klasse ich bin mal schwerer mal leichter. Ich merke, dass ich am besten mit den ganz Kleinen und den ganz Großen auskomme. Die Mittleren (3 Klässler) haben mich schon einmal fast zum Ausrasten gebracht :)

Die Liebe für die französische Sprache scheint bei den meisten Malawiern leider nicht so ganz angeboren zu sein, sodass sie meistens immer lachen, wenn ich Ausspracheübungen mache. Auch das Anfertigen der Hausaufgaben wird auch meistens ignoriert, wobei ich nun langsam feststelle, wie schnell ich zum „Lehrerspießer“ mutiere, den man vor 6 Monaten noch nie gewesen sein wollte. Laute Kinder werden umgesetzt, Hausaufgaben werden kontrolliert und die Kleinen müssen viel von der Tafel schreiben. Wer nicht lernt, muss das bestimmte Verb 5-10 mal kopieren und die am demotiviertesten Kinder dürfen nach vorne an die Tafel oder Szenen nachspielen.

Das Großartige bei den malawianischen Schülern ist aber, dass Sie sich eigentlich nie beschweren und wenn^^ dann nach der zweiten Aufforderung das machen, was sie tun sollen.

Als Lehrer hat man es somit ein wenig leichter in Malawi, wenn man mal das Gehalt ignoriert ;).

Die Schüler, die ich habe, sind so ziemlich die unkollegialsten Kinder, die ich kennengelernt habe. Wenn ich zum Beispiel eine Frage in Mathe oder Französisch stelle, kriege ich nicht die etwa erhoffte Antwort, sondern meistens solche Antworten: „Teacher Marian, Chup speaks Chichewa!“ „Teacher Marian, Ale meke zeke (Lobet den Herrn, interessanter Name^^) says I smell and calls me a witch!“ Teacher Marian, Praise does not want to give me the rubber!..... Innerlich denke ich dann immer, dass ich den oder die Betreffende innerlich gerade umbringen könnte. Aber naja, mein Versuch Petzerei zu verbieten scheitert oft an den anderen Lehrern, die diese Kultur fördern, um den Denunzierten dann zu schlagen oder anders zu bestrafen. Es passiert auch öfters, dass wenn ein Kind auf die Toilette ging mit einen Ast zurückkommt, womit es dann die anderen schlägt, wenn ich grad nicht hingucke oder, dass wenn ich jemanden drannehme und dieser nicht sofort antwortet der Sitznachbar eine Ohrfeige austeilt, damit er weiß, dass er antworten soll.

Da hilft es auch nicht, dass ich an einer christlichen Schule unterrichte und denen immer sage: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“, wobei ich immer daran denken muss, dass das irgendwie genauso kling, wie wenn man ein Kind schlägt und sagt: „Es tut mir mehr weh als dir!“ und helfen tut es sowieso nicht^^. Dieses Verhalten versuche ich aber jetzt schulweit zu reformieren, da ich nun der quasi stellvertretende Schulleiter der Schule bin und begonnen habe mit den anderen Lehrern erste Reformen einzuführen. So wurde das Chichewa Sprechen in der Schule verboten, damit Englisch gefördert wird, die Kinder müssen den Klassenraum nun selbstreinigen und dürfen nicht mehr Müll auf den Boden werfen und ab Beginn des nächsten Jahres versuche ich ein paar Schulpartnerschaften zu etablieren, einen Schulgarten und eine Bücherei zu gründen und eine Webpräsenz der BACOMA School zu erstellen.

Es ist jedenfalls sehr interessant und ich freue mich auf den weitern Unterricht.

Zu Hause ist auch alles fein. Simon ist gestern aus Südafrika wiedergekommen, nachdem er noch eine Nacht in Mozambik im Bus schlafen musste, da die Zollbehörde nicht mehr weiterarbeiten wollte, Malaika hat begonnen zu laufen und wir haben mit Promise (4 Jahre) und seiner Mutter temporär 2 neue Mitbewohner, was das Haus immer voller macht und mein Chichewa zerstört, da Promise mich immer auf einem Chitumbuka Chichewa Gemisch anredet, was mich schnell überfordert^^. Ansonsten war ich nun im Fernsehen, wobei ich morgen die Videokassette bekomme und habe den Präsidenten im Elektrogeschäft getroffen.^^

Dadurch, dass Simon 2 Wochen am Stück weg war, durfte ich fleißig täglich den Minibus nehmen, sodass mein nächster Bericht über das Minibusfahren in Malawi sein soll.

Entschuldigung für die lange Abwesenheit und bis bald!!

Tionana,

Marian

Freitag, 7. November 2008


Die Parteijugend verteilt Essen

DPP Anhänger des Präsidenten

Der Präsident
Ich werte die Weißenquote dramatisch auf :D
Polizist und Portraitträger bei den Lomwe
traditionelle Tänzerinnen

Dienstag, 4. November 2008

Die Lengwe Zeremonie

Die Lengwe Zermemonie in Mulanje: Chief Khumba der Lengwe wird Paramount Chief

Moni Azanga, Hallo Freunde,

ich hoffe, dass es euch im kalten und grauen Deutschland gut geht.

Heute gibt es dann mal eine kleine Kultureinheit über das traditionelle Stammessystem in Malawi:

In Malawi herrscht ein Stammessystem vor. Das bedeutet, dass jedes Dorf eines Stammes einen Stammesführer wählt und dann die einzelnen Stammesführer der Dörfer einen Oberführer „Paramount Chief“ für die Regionen und dann zuletzt der Führer über die ganze Ethnie gewählt wird. Diese Stammesgrenzen gehen in Malawi über die Landesgrenzen hinaus, da diese durch die Kolonisation geschaffen wurden und unnatürlich sind. Der oberste Führer der Chewa, ein Malawier, ist gleichzeitig auch der Führer über die Chewa in Mosambik, Sambia und Simbabwe.

Als Führer „Chief“ hat man so einiges zu tun. Über 75% der verfügbaren Landesflächen Malawis sind Stammesland, die von den Dorfführern verwaltet werden müssen. Der Chief muss das Land gerecht unter die Dorfbewohner verteilen, die traditionelle Rechtssprechung überwachen, Hexen verurteilen, Streit schlichten und vieles mehr. Das System ist nicht gerade demokratisch und hatte in den letzten Jahren immer mehr Probleme, da in vielen Fällen traditionelle Rechte, die vor allen den Frauen zustanden, diesen abgesprochen wurden.

Als Chief ist man jedoch sehr anerkannt innerhalb des Volkes und wird auch von der Regierung bezahlt. Als Präsident Malawis ist man immer sehr bemüht sich bei den Stammesführern einzuschmeicheln, da dadurch die Chancen auf Wiederwahl stark ansteigen.

Das hat sich dann auch Bingu wa Mutharika gedacht, als er beschloss Chief Khumba zum Paramount Chef zu ernennen.

Da es noch nie zuvor einen Paramount Chief der Lengwe in Malawi gegeben hatte, da es eine kleine „Immigrantengruppe“ aus Mosambik war, wurde diese Aktion als politisches Geschenk gewertet, was es auch zweifelsohne war.

Als wir (Marianne, Marlen und ich) am 25 Oktober um 9 Uhr morgens an dem Ort ankamen, wo die Zeremonie stattfinden sollte, waren schon tausende Parteianhänger in Ihren blauen Uniformen da und ebensoviele traditionelle Tänzer der Lengwe. Das Faszinierende an den Tänzern war Ihre unglaubliche Fähigkeit Alt und Neu zu verbinden. So hatte ein Tänzer eine Mickeymaus Puppe in seinem Federschmuck eingearbeitet, andere hatten Cola und Bier Kronkorken an Ihre Kleidung angeklebt und andere hatten Plastikschlangen um Ihren Körper geschlungen. Es wurde frenetisch getanzt und gesungen und, da wir so ziemlich die einzigen Weißen waren, wurden wir sehr beachtet. Als wir dann die ersten Tourifotos geschossen hatten, kam direkt ein Polizeioffizier an, der uns freundlich aber bestimmt fragte, wo unser Presseausweis sei, da es eine Veranstaltung sei, wo der Präsident anwesend sein würde.

Wir hatten natürlich keinen, aber da wir versprachen, dass wir den Präsidenten und Chief Khumba nicht fotografieren würden, durften wir dann fleißig weiterfotografieren und filmen.

Um 11 Uhr kam dann schließlich der Präsident mit 2 Stunden Verspätung im Helikopter an und die Zeremonie konnte losgehen.

Zu dem Zeitpunkt waren sicher 10-15.000 Menschen versammelt und es war eine richtige farbenfrohe Zeremonie mit viel Gesang, Tanz und einigen Reden. Die DPP (Democratic Progress Party) hatte extra Träger geordert, die die ganze Zeit große Fotos vom Präsidenten in die Luft hielten, damit jeder wusste, welche wichtige Person hier saß.

Als dann der Chief offiziell befördert wurde, wurden Ziegen, 5 Fahrräder, ein Kühlschrank und viel Gemüse geschenkt.

Wir konnten die ganze Zeremonie sehr gut beobachten, da wir in der ersten Reihe (in der prallen Sonne) saßen und die einzigen waren, die sich neben oder vor den Polizisten und Armeeoffizieren setzen durften. Daher kamen ohne Presseausweis auch einige Fotos vom Präsidenten^^ zustande und viele andere gute Fotos.

Nach 3 Stunden gab es dann Mittagspause und ich machte eine nachhaltige Erfahrung:

Beim Thema Essen wird auch das warme Herz Afrikas eiskalt…

Um sich noch beliebter zu machen, hatte der Präsident nämlich gratis Essen verteilen wollen. Der Nachteil war aber, dass viel zu wenig da war…

Die Parteijugend, natürlich in blauer Parteiuniform (sah aus wie die DDR Jugend), bildete eine lange Kette und verteilte das Essen zuerst an die Ehrengäste, was den meisten nicht gefiel. Man versuchte den Jugendlichen das Essen aus die Hände zu reißen oder an die Reste zu kommen und, da wir ca. 1 Meter von der „Jugendkette“ entfernt saßen wurde es uns auf Dauer etwas unangenehm. Schließlich schritt die Polizei ein und drängte die hungrige Gruppe zurück. Beachtenswert ist, dass keine Gewalt eingesetzt wurde und sehr diszipliniert vorgegangen wurde.

Nach dem stressigen Essen (wir bekamen kein Essen von der Jugend, da wir schon vorher im Auto gegessen hatten), kam dann das Nachmittagsprogramm, wo viel getanzt und gescherzt wurde. Es war eine sehr schöne folkloristische Veranstaltung mit viel politischer Inszenierung und eine wunderschöne und seltene Erfahrung, da nicht oft ein Paramount Chief ernannt wird.